der Teamplayer / Zentralhund

 

Ja, dieses ominöse Wundertier... Der Hund, der aus allen Welpengruppen rausfliegt, weil er so assozial ist und alle mobbt. 

 

Dieser Hund, der in keiner Hundeschule beliebt ist, weil die gängigen Methoden bei ihm einfach nicht klappen. 

 

Der Zentralhund, DER Hund aller Hunde, der oberste aller Leithunde, der, der das ganze Rudel zusammenhält, koordiniert - und die ganze Welt noch dazu. 

Nichts darf man, keinen Schritt machen, weder die anderen Mitglieder des Rudels, noch die Nachbarskinder, geschweige denn die eigenen Kinder... 

 

Der Teamlayer hat alles unter Kontrolle, alles geht, wie er es gerne hätte, er kontrolliert alle Energien, er entscheidet, was er duldet und was nicht... 

 

Ja, dieser Hund... Kein einfaches Unterfangen, einen solchen Hund im Haus zu haben, oh nein. Aber halt... Entgegen vieler Trainer und Vertreter der Rudelstellungen, die diesen Typ Hund schier als "Herrscher aller Hunde" darstellen und ihm schon fast zu Füssen liegen - neee! Auch das ist ein Hund! Und auch dieser Hund, wenngleich er manche Kompetenzen haben mag: er ist ein Hund, der in einer menschlichen Welt lebt und der sich hier anpassen muss. Und auch dieser Hund muss in dieser Welt auf mich hören und muss mich, den Menschen, als Entscheidungsträger annehmen. 

 

Und gerade diesem Hund muss man einfach erklären, dass die Fahrradfahrer auf dem Pausenhof nun einfach mal nicht zu seinem Aufgabenbereich gehören, genausowenig wie der Jogger, der von hinten kommt und auch die 3 auf der Wiese rennenden Hunde, 200m entfernt, gehen ihn jetzt einfach mal gar nichts an!! Und dies einem Teamplayer, der zu viele Freiheiten hatte und sich überall einmischen durfte, klar zu machen - ja, DAS ist definitiv kein sonniger Sonntagsspaziergang! 

 

Doch was ist eigentlich die Rolle des Teamplayers / Zentralhundes in einem Rudel? 

Er wäre der, welcher für Ruhe und Ordnung im Rudel sorgt. Er ist das Zentrum, das Bindeglied. Er hält das Rudel zusammen. Ohne ihn würden die introvertierten Hunde entweder permanent von den extrovertierten Hunden gemobbt und geärgert werden oder das Rudel würde komplett auseinander brechen. Er ist der Innenminister, das Zentrum, der Hund, der alles koordiniert, daher hat er auch 2 direkte Mitarbeiter: den vorderen Wächter und den hinteren Kundschafter. Beide arbeiten direkt mit ihm, der vordere Wächter ist die Verbindung zu den Extrovertierten, der hintere Kundschafter die Verbindung zu den Introvertierten. 

 

Und nun wird auch klar, warum der in den Welpengruppen meistens rausfliegt. Weil er die Welpen halt nicht "spielen" lässt. Klar, da sind Energien, die keiner braucht, da werden Welpen gemobbt und das merkt er. Da geht er sofort dazwischen. Dieses wilde Getolle, das braucht keiner. Zumindest die Hunde nicht - die Menschen finden es ja toll. "wie die schön spieeeeeelen...." Ja, als ob es so wäre... 

 

Ist ein souveräner Teamplayer in einem Rudel dabei, wird das Rudel ruhig sein. Was aber nicht heisst, das Aktivitäten nicht geduldet werden. Sofern diese ruhig ablaufen. Zuviel Dynamik oder eben auch Extrovertiert gegen Intovertiert  - da bremst der Teamplayer sofort aus. 

 

Da ich selber mit so einem Hund (Nupri) zusammenlebe, kann ich etwas mehr darüber schreiben. Ein Teamplayer, der in einem Rudel anerkannt ist, vielleicht sogar mit dem zusammenlebt, der wird das Rudel stärken, immer wieder Sozialkontakte suchen und das Rudel zusammenhalten. Er wird aber auch nicht permanent der stänkernde Miespeter sein, wo die Hunde gar nichts mehr dürfen. Dieses Verhalten zeigen Teamplayer oft nur dann, wenn sie entweder sich im Rudel noch nicht wirklich anerkannt und respektiert fühlen oder aber selbst noch unsicher sind. 

Ein souveräner, anerkannter Teamplayer lässt im Rudel oft viel Freiheit - wenn er aber eingreift, dann mit einem Grund und auch nachhaltig! Manchmal macht er es aber auch nicht selber sondern schickt seine Mitarbeiter... 

 

Für die menschlichen Besitzer eines solchen Hundes ist es extrem wichtig, dass sie diesem Hund von Anfang an klare Grenzen zeigen! Ihm klar machen, dass er nicht für alles verantwortlich ist! Er muss sich auch zurücknehmen können! 

 

Aber, einen Teamplayer als Einzelhund zu halten, ist extrem schwierig. Ideal für diesen Hund, um seine genialen Fähigkeiten leben zu können, wären ein Zweithund oder sonst immerhin die Möglichkeit, mehrfach pro Woche in einem Rudel "arbeiten" zu dürfen... 

 

Teamplayer nehmen Energien extrem schnell auf, sie lesen ihren Menschen und auch andere Hunde wie ein offenes Buch, wissen sofort wen sie vor sich haben und wissen auch genau, wie sie manipulieren können. Und oft machen sie dies (in Bezug auf Menschen) so charmant, dass man es erst merkt, wenn es zu spät ist... :-)